Zurück in Deutschland – Die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter

Bereits einige Wochen vor dem Rückflug in meine Heimat beschäftigte mich die Frage, wie es wohl sein würde zurückzukommen. Ein Jahr lang hatte ich ein ganz anderes Leben gelebt, als jenes, in welches ich nun zurückkehren würde. Zu vielen Leuten hatte ich während diesem Jahr kaum oder gar keinen Kontakt gepflegt, da dieser mit der Zeit abgebrochen ist. Ich wusste also nicht so recht, was mich erwarten würde.  In einem Jahr kann man sich ziemlich verändern, knüpft neue Kontakte und entwickelt sich gegebenenfalls in eine andere Richtung weiter, sodass man sich auseinanderlebt. Dadurch, dass man unterschiedliche Erfahrungen macht und sich generell in einem anderem Umfeld bewegt, ändern sich Einstellungen, Hobbies, Interessen und Angewohnheiten.

Natürlich gab es auch viele, die immer ein offenes Ohr für mich hatten und mich besonders anfangs unterstützt und ermutigt haben, wenn es mal nicht so glatt lief. Doch wirklich verstanden habe ich mich von den wenigsten gefühlt.

Zum Ende meines Auslandsaufenthaltes hatten wir noch ein Abschlusscamp in Quito, wo ich alle anderen Freiwilligen wiedersehen konnte und wir auf unsere Rückkehr vorbereitet wurden. Die meisten waren hin-und hergerissen zwischen der Freude zurückzukehren und der Trauer so Vieles zurückzulassen, so wie dem Wunsch, noch eine Weile länger bleiben zu können. Wenn man ins Ausland aufbricht, dann weiß man, dass man seine Familie und Freunde nach einer gewissen Zeit wiedersehen wird. Andersrum ist der Abschied von seiner Gastfamilie und seinen Freunden in einem anderen Land ein Abschied auf ungewisse Zeit. Dies macht es viel schwieriger.

Was sich verändert hat…

Wie oben bereits angerissen, hat mich das Auslandsjahr verändert und ich habe das Gefühl, nie wieder dieselbe Person sein zu werden wie vorher. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass hier alles gleich geblieben ist und die Welt, die früher so vertraut war, und ich nicht mehr zusammenpassen. Dies lässt sich auch auf frühere Kontakte übertragen: Die Gesprächsthemen sind die selben geblieben und die Probleme ebenfalls. Dazu kommt, dass ich auf viele Themen sensibler reagiere als zuvor und mir viele Ansichten schlichtweg engstirnig erscheinen. Oft kennen wir die Geschichte einer Person nicht, also was gibt uns das Recht, über diese Person zu urteilen? Und überhaupt, wer entscheidet denn, was normal ist? Andererseits hat sich dennnoch vieles geändert und man hat einiges verpasst in diesem Jahr und in manchen Momenten wünsche ich mir mein altes Leben zurück oder viel mehr die Menschen, die Teil dieses Lebens waren.

Ebenfalls verspüre ich den Wunsch, direkt wieder aufzubrechen und Neues kennenzulernen. Es gibt schließlich noch so viel zu entdecken. Auf der anderen Seite fühle ich mich hier Zuhause freier, da ich nicht das Gefühl habe, die ganze Zeit möglichst unkompliziert sein zu müssen und keine Probleme zu machen. Dies hatte ich oft in meiner Gastfamilie, obwohl ich alle wirklich sehr liebgewonnen habe. Ich werde nun erst einmal damit beginnen, Deutschland besser kennenzulernen, denn mir ist bewusst geworden, wie wenig ich über mein eigenes Land weiß.

Auf den Straßen ist es seltsam, die meisten Menschen Deutsch sprechen zu hören. Mir fehlt der vertraute Klang der spanischen Worte in meinen Ohren und so freue ich mich jedes Mal über eine Sprachnachricht meiner ecuadorianischen Freunde. Anfangs habe ich mich auch dabei ertappt, wie ich Leute auf Spanisch angesprochen habe (z.B. „Permiso“, wenn man irgendwo durch oder „Gracias“, wenn man sich bedanken möchte).

Wenn ich in einer neuen Stadt unterwegs bin, dann frage ich einfach in einem Geschäft nach, wo ich hinmuss, schließlich habe ich meine Wege ein Jahr lang ohne Google-Maps gefunden (wobei das natürlich vieles vereinfacht). Auch versuche ich nicht mehr alles zu planen, sondern das Leben zu nehmen, wie es kommt. Diese Einstellung kann viele in den Wahnsinn treiben. Außerdem ist die Umsetzung schwieriger als gedacht und mein Terminkalener ist schon wieder voll. Dadurch habe ich aber auch nicht so viel Zeit in Trauer zu versinken und ich kann meine Zeit in Deutschland genießen.

Seit ich wieder hier bin, weiß ich vieles mehr zu schätzen, was vorher selbstverständlich war und es ist wirklich schön, seine Familie wirklich in die Arme nehmen zu können und nicht nur via Skype. Dafür vermisse ich aber nun die Leute, mit denen ich in einem Jahr so viel erlebt habe, aber nun habe ich Freunde in verschiedenen Orten der Welt.

Wenn ich früher verreist bin, dann konnte man das an meinen tausend Taschen erkennen, die ich mitgeschleppt habe – schließlich wollte ich auf alles vorbereitet sein. Nun ist mein Reiserucksack mein treuster Begleiter geworden.

In Ecuador wirkte alles so weit weg und manchmal habe ich mein Zuhause vermisst. Nun vermisse ich Ecuador und weiß gar nicht mehr genau, wo ich überhaupt hingehöre.

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Zurück in Deutschland – Die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter“

  1. Meine liebe Isa, das hast du sehr schön, ehrlich und berührend geschrieben. und glaub mir, ich kann das denke ich gut nachempfinden 😉 Wird aber besser mit der Zeit und jetzt kommen ja auch viele Veränderungen auf dich zu 😉

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