Abschlussbericht – 1 Jahr Ecuador

Wow, echt erschreckend wie schnell die Zeit vergeht. Wie ich mich jetzt fühle? Das kann ich gar nicht genau sagen, denn ich blicke meiner Rückkehr nach Deutschland mit gemischten Gefühlen entgegen. Auf der einen Seite ist da die Freude seine Lieben endlich wiederzusehen und wieder in seinem gewohnten Umfeld zu sein. Anderseits hab ich immer im Hinterkopf, was ich alles zurücklassen werde und dass dieser Abschied mir wahrscheinlich schwerer fallen wird, als der im vergangenem Jahr. Wieso das so ist, erfährst du in dem folgenden Bericht.

Was habe ich auf fachlicher und persönlicher Ebene gelernt?

Als meine Freundin aus Deutschland mich besuchen kam, fiel ihr nach einiger Zeit eine Veränderung an mir auf. Sie sagte, dass ich selbstbewusster geworden sei und klarer kommuniziere, was ich möchte.
Wenn man mit Kindern zusammenarbeitet, ist dies sehr wichtig. Man muss sich durchsetzen können und eine Autoritätsperson sein, ohne laut zu werden. Ich habe in dem Jahr gelernt, wie ich mit den Kindern rumalbern kann und sie gleichzeitig noch auf mich hören. Zudem wurde meine Geduld oft auf die Probe gestellt und nun nehme ich vieles gelassener. Auch habe ich eingesehen, dass nicht alles perfekt sein muss und kann und bin nun am Ende meiner Arbeit stolz auf meine Schüler. Gemeinsam mit meiner Mitfreiwilligen haben wir ein Theater einstudiert und aufgeführt (Schneewittchen) und meines Erachtens nach haben sie es sehr gut gemacht. Sehr lange haben wir an den Texten und Bewegungen gearbeitet und es immer wieder geprobt.
Dadurch, dass ich mein eigenes Projekt hatte und auch meinen Stundenplan allein zusammenstellen durfte, bin ich sehr viel selbstständiger und verantwortungsvoller geworden. Natürlich auch durch all meine Reisen, die ich selbst organisiert habe. Mir fällt es nun auch einfacher auf andere Menschen zuzugehen und um Hilfe zu bitten und nach dem Weg zu fragen.
Des Weiteren konnte ich auf fachlicher Ebene eine Menge im Bereich der Physiotherapie lernen. Dies war ein Teil meiner Arbeit, der mir am meisten gefallen hat. Aufgrund von fehlenden finanziellen Ressourcen wurde die Physiotherapie allerdings in meinen letzten Arbeitswochen eingeschränkt.

Wie können sich Freiwillige im Projekt einbringen? Wie hat mir die Arbeit in meinem Team gefallen? Was meine ich, habe ich während meiner Zeit bewirkt?

Ich kann das Projekt „Instituto de Ecducación Especial“ nur weiter empfehlen. Allerdings gibt es auch einige weniger schöne Aspekte. Einige der Lehrer*Innen und auch unsere neue Direktorin konnten uns Freiwillige nie auseinander halten und haben uns mit falschen Namen angesprochen. Auch wirkt es auch mich so, als ob nicht alle Lehrer*Innen eine gute Beziehung zueinander haben und so gab es (wie wahrscheinlich an jeder Schule) Lästereien. Eine Lehrerin hat uns Freiwillige auch des Öfteren um Geld gebeten, wodurch wir in eine unangenehme Lage gebracht wurden, da sie es erst nach mehrmaligem Nachfragen zurückgezahlt hat.

Allerdings wurden wir besonders bei unsere Theateraufführungen von einigen Lehrer*Innen unterstützt, da sie uns halfen Requisiten herzustellen und dafür sorgten, dass die Kinder die benötigte Kleidung mitbrachten. Auch wurden wir führsorglich mit Essen versorgt und wurden auch von einigen Kolleg*Innen zu sich nach Hause eingeladen. So haben sich mit der Zeit Freundschaften entwickelt und ich habe mich immer wohler im Projekt gefühlt.

Uns wurde gesagt, dass wir die ersten Freiwilligen in diesem Projekt waren, die ihr Tätigkeitsfeld frei wählen konnten. Normalerweise helfen die Freiwilligen in den Klassen. Deshalb vermute ich, dass die nachfolgenden Freiwilligen nun auch mehr Gestaltungsfreiheiten haben werden und ihr FSJ ganz nach ihren Vorstellungen leben können. Zu den Aufgaben kann ich euch nur raten, dass ihr ehrlich sagt, was ihr gerne machen möchtet und es viele Möglichkeiten gibt, sich einzubringen. Wenn eine Lehrer*In ausfällt, dann habt ihr die Möglichkeit eine Klasse zu übernehmen und in der Mittagspause könnt ihr den Kindern beim Essen helfen.

Wie war meine Gast-/Wohnsituation? Konnte ich mich sozial integrieren?

Was diesen Punkt angeht, hätte ich mich deutlich mehr bemühen können, denn wir haben eher wie eine Wohngemeinschaft zusammen gewohnt. Oft kam ich nach der Arbeit nach Hause und war alleine und an den Wochenenden bin ich gereist, sodass wir nicht viel zusammen unternommen haben. Allerdings gab es auch Nachmittage und Abende, an denen ich mich sehr lange mit meiner Gastmutter unterhalten habe und wenn ich Probleme hatte oder es mir schlecht ging, hatte sie immer ein offenes Ohr für mich und dafür bin ich sehr dankbar. Ich hatte sehr viele Freiheiten, durfte Freunde aus der Organisation einladen, ausgehen und wegbleiben solange ich wollte.
Auch wurde ich Freunden und Bekannten meiner Gastfamilie als ihre Tochter vorgestellt und mag auch meine Gastgeschwister sehr gerne, auch wenn ich sie nicht oft sehe. Bevor ich gehe ist eine Abschiedsfeier geplant und meine Gastfamilie wird mich zum Flughafen begleiten und dort verabschieden.

Allerdings habe ich nun zum Ende meines Auslandsjahres hin sehr viele Freunde gefunden und es wird mir schwer fallen, alle hier zurücklassen zu müssen. Ich weiß nicht, wann ich zurückkommen werde, um alle wiederzusehen. Hinzu kommt, dass ich die offene und freundliche Art, mit der mir so viele Menschen hier begegnet sind, sehr zu lieben und zu schätzen gelernt habe. Vor einiger Zeit war ich beispielsweise in einem Internetcafé, um einige Dokumente zu drucken, als mich die Besitzerin fragte, ob ich ihrem Sohn bei den Englischhausaufgaben helfen könnte. Als ich mich später verabschiedete bedankte sie sich mit einer herzlichen Umarmung und lud mich ein, demnächst mal auf einen Kaffee vorbeizukommen.

Abschließend betrachtet: War mein Auslandsjahr wie ich es erwartet hatte? Was war anders?
Welche Unterstützung habe ich erhalten und wo hätte ich mehr Unterstützung benötigt? Was hätte ich anders machen können?

Ehrlich gesagt war es anders, aber eine ganz klare Vorstellung hatte ich vorher nicht. Noch ist es auch nicht vorbei, da ich erst noch nach Peru reisen werde.
Ich habe vorher nicht gedacht, dass es schwierig sein würde, beständige Kontakte zu knüpfen. Ich habe oft Leute kennengelernt, aber schnell den Kontakt verloren und erst zum Ende hin wirkliche Freundschaften geknüpft. Anders war es mit den anderen Freiwilligen. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich so viel mit ihnen unternehmen würde und im Nachhinein betrachtet war das vielleicht auch gar nicht so gut. Ich habe dadurch länger gebraucht, um Spanisch zu lernen, da ich oft Konversationen auf Deutsch geführt habe. Auch dachte ich, dass ich mehr mit meiner Gastfamilie und meinen Geschwistern unternehmen würde.
Zudem hatte ich nicht mit einem Projektwechsel gerechnet, da ich dachte, dass ich mich schon irgendwie arrangieren würde. Mittlerweile könnte ich mein vorheriges Projekt wahrscheinlich besser meistern, dennoch bin ich wirklich froh über den Wechsel.

Unterstützung erhielt ich durch meine Organisation, Freund*Innen und Familie (Ecuador und in Deutschland). Allerdings hätte ich mir bei den anderen Freiwilligen mehr Stillschweigen erhofft, wenn man ihnen etwas sehr Persönliches anvertraut, aber das kommt natürlich auf die verschiedenen Charaktere an. Des Weiteren habe ich mich selten an meine Organisation gewendet, da ich das Gefühl hatte, manche Themen lieber mit meinen Freund*Innen zu besprechen. Das sollte ich in Zukunft ändern, da VASE sicherlich mehr Erfahrung hat und ihnen viele Probleme schon einmal begegnet sind.

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