Verschiedene Formen geistiger-und körperlicher Behinderungen

Wie viele von euch wahrscheinlich schon wissen, arbeite ich in einer Schule für Kinder mit geistiger-und/oder körperlicher Behinderung. Ich sage deshalb Kinder/ Menschen mit Behinderung und nicht „Behinderte“, da einen Menschen ja viel mehr ausmacht, als seine Beeinträchtigung (oder auch Berreicherung, da sie vieles anders und vielleicht schöner und intensivier wahrnehmen als wir). Auch der Begriff „Niños especiales“ (besondere Kinder) gefällt mir sehr gut.

In diesem Blogbeitrag möchte ich euch gerne ein paar der verschiedenen Behinderungen vorstellen, mit denen ich täglich zu tun habe. (Bilder meiner Arbeit habe ich nicht, da das Fotografieren in meinem Arbeitsplatz aus Persönlichkeitsrechtsgründen verboten ist. Wenn ich jedoch die Erlaubnis des MInesteriums einholen sollte, wäre mir das Fotografieren gestattet.)

  • Down-Syndrom: Down-Syndrom wird auch Trisomie 21 genannt, da das 21. Chromosom dreifach vorhanden ist. Statt 46 Chromosomen besitzen sie 47. Es gibt insgesamt drei verschiedene Formen der Trisomie 21, „die freie Trisomie 21, die Translokations-Trisomie 21 (keine gesundheitlichen Auswirkungen) und die Mosaik-Trisomie 21 (nur milde gesundheitliche Auswirkungen). Am häufigsten (95%) tritt die freie Trisomie 21 auf. Wenn man von Down-Syndrom spricht, ist meist auch diese Form der Krankheit gemeint.“ (https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/down-syndrom-trisomie-21/symptome-krankheitsbild/)
    Äußerliche Merkmale sind ihre Kleinwüchsigkeit und ihre extreme Gelenkigkeit (deswegen habe ich in der Wassertherapie auch keine Down-Syndrom Kinder). Dies hängt mit dem lockerem Bindegewebe zusammen, wodurch sich die Gelenke überstrecken lassen. Das Gesicht ist meist rundlich und die Augen schräg nach oben gestellt. Oft sehe ich, dass die Zunge aus dem Mund heraushängt, was die Kinder sehr konzentriert wirken lässt. Es liegt daran, dass diese sehr groß ist. Ich habe gelesen, dass das Körpergewicht der Kinder in den ersten Jahren meist unterdurchschnittlich sei. Die Kinder mit denen ich jedoch zusammen arbeite sind eher moppelig und haben einen sehr aufgeblähten Bauch. Die Hände sind ebenfalls eher breit, mit kurzen Fingern. Auch die Kraft von Kindern mit Down-Syndrom ist nicht zu unterschätzen. So wie bei jedem sind auch ihre Charaktere sehr unterschiedlich. Manche sind sehr stur und dickköpfig, andere eher super anhänglich. Die Intelligenz der Kinder kann stark variieren. Die Streubreite geht von „schwer geistig behindert“ (meist durch eine mehrfach Behinderung gehandicapt, IQ zwischen 25 und 40) bis zur „normalen“ Intelligenz (70-130%). Die Mehrheit der Menschen mit Down-Syndrom hat einen IQ von 40-70%. Mit komplexen Denkprozessen tun sie sich schwer, doch einfache Aufgaben können sie lösen. Eine meiner Schülerin erscheint mir sehr schlau und sie hilft ihren Klassenkameraden immer, sobald sie eine Aufgabe erledigt hat. Mir fällt es recht leicht Kontakt zu Kindern mit Down-Syndrom aufzunehmen, da die meisten meiner Schüler mit Down-Syndrom sehr sozial veranlagt sind.
  • http://www.down-syndrom-regensburg.org/das-down-syndrom/was-ist-mit-der-intelligenz-bei-kindern-mit-down-syndrom/
  • https://www.ds-infocenter.de/html/dswasistdas.html
  1. Autismus: Autismus ist eine neurologische Entwicklungsstörung. Auch hier unterscheiden wir wieder zwischen drei verschieden Typen des Autismus. Es gibt den „Frühkindlichen Autismus“ , das „Asperger-Syndrom“ (F 84.5) und den „Atypischen Autismus“. „Autismus-Spektrum-Störung“ dient daher als Oberbegriff für die drei Arten. „Die Merkmale des frühkindlichen Autismus zeigen sich bereits vor dem dritten Lebensjahr.“ (http://www.autismus.de/was-ist-autismus.html). Typisch ist die geringe Interaktion mit dem sozialem Umfeld, da emotinale Signale schwierig einzuschätzen sind oder nicht wahrgenommen werden. Gleichzeitig reagieren sie aber oft hoch sensibel auf Veränderungen, da sie die Umwelt-und Sinnesreize nicht richtig verarbeiten können, was zu einer Überladung eben dieser Eindrücke führt. Auch auf Berührungen reagieren sie empfindlicher als andere Kinder gleichen Alters. Ebenfalls beeiträchtigt ist die Kommunikation, wodurch ein Gespräch erschwert, bis ganz unmöglich gemacht wird. Gleichfalls fehlt die Gestik, um Aussagen zu unterstreichen  oder sich zu verständigen. Auch ist zu beobachten, dass jedes Kind seine typische Bewegung hat. Manche schaukeln mit dem Körper nach vorne und nach hinten, andere spielen mit ihren Händen und wieder andere neigen zur Selbstverletzung indem sie sich selbst beißen oder vor den Kopf schlagen. (Ich selbst wurde auch schon des mehrmals von Kindern gekniffen, gebissen oder angespuckt). Desweiteren zeigen sie Interessen an Teilaspekten von Sachen, wie beispielsweise dem Geruch oder daran, wie sich etwas anfühlt.
  2. Das Asberger-Syndrom unterscheidet sich darin, dass keine Entwicklungsrückstände im Bereich der Sprache festzustellen sind. In Teilgebieten sind Menschen mit Asberger-Syndrom sogar höchst intelligent. Allerdings fühlen sie anders, wodurch eine Begrüßungsumarmung für sie äußerst unangenehm sein kann. Auch verarbeiten sie Sinneindrücke anders, wodurch sie oft gereizt reagieren. Hier finden wir wieder mehr Gemeinsamkeiten mit dem frühkindlichen Autismus. Mehr Informationen zum Leben mit Asberger-Syndrom findet ihr hier -> http://www.asperger-wahrnehmung.de/korperkontakt-kuscheln.php)
  3. Als mein Sohn die Diagnose ‘Atypischer Autismus’ bekam, dachte ich mir: Nicht mal für einen Autisten ist er normal? Heute sehe ich die Chance, die darin liegt: Statt unsere Erwartungen an Diagnosekriterien auszurichten, können wir ihn ganz in seiner Individualität sehen. – Martina, Mutter von Emil, 7

Atypisch heißt diese Form des Autismus, da sie erst nach dem drittem Lebensjahr auftritt. Dazu kommt, dass atypische Autisten nur in wenigen Bereichen typische Verhaltensweisen aufzeigen, wodurch der atyoische Autismus lange unentdeckt bleibt. Auch hier wird wieder in drei Gruppen unterteilt: Die, die sich stark mit dem Asberger-Syndrom überlappen, sich aber durch Sprachverzögerungen oder leichte Intelligenzminderung vom Asbergr-Syndrom unterscheiden.  Eine Gruppe, die dem frühkindlichem Autismus ähneln, aber nicht alle Merkmale aufweisen, sowie eine dritte Gruppe, die alle Autismusmerkmale aufweisen, aber wenig bis keine stereotypschen Verhaltensmuster zeigen. (Mehr dazu: http://autismus-kultur.de/autismus/atypischer-autismus-was-ist-das.html)

Wie kann man helfen?

Ich leite in meinem Projekt die Tanztherapie, wobei mir aufgefallen ist, dass manche Kinder die Musik lieben und andere sehr hypersensibel auf Geräusche reagieren. Deshalb achte ich darauf, die Musik nicht zu laut zu machen. Auch sollte man Hypersensible Kinder nicht einfach berühren, sondern sich vorher langsam annähern und sie vorwaren (Aber ich denke, dass versteht sich von selbst). Außerdem arbeiten wir viel mit Fühlmaterial, wie Bohnen oder Sand, welche auf Brettern festgeklebt sind. http://autismus-kultur.de/autismus/wahrnehmung-foerdern-umgebung-anpassen-so-kannst-du-helfen.html -> Hier findet ihr viele weitere Tipps, wie ihr Kindern mit Hypersensibilität helfen könnt. (Sehen; Hören; Berührungen; Geschmack; Geruch; Gleichgewicht; Eigenwahrnehmung; Schmieren mit Fekalien; …)

  • Infantile Zerebralparese: Hierunter versteht man Bewegungsstörungen, die ihren Ursprung in einer frühkindlichen Hirnschädigung haben. Mit diesen Kindern arbeite ich größtenteils in der Schwimmtherapie zusammen. Die meisten haben Spastiken (wechselspiel zwischen An-und Entspannunng der Muskeln) und sehr verhärtete Muskeln durch die Anspannung. Je nach Ausprägung der Spastik besteht eine ständige Muskelspannung oder der Tonus (die Spannung) ist nur bei Bewegung erhöt. Ebenfalls geht es einher mit Problemen eingenständig zu Essen und verständlich zu Sprechen, da sie Probleme mit ihrer Zunge haben. Dann gibt es noch die Ataxie, bei der die BEtroffenen das Laufen zwar lernen können, was aufgrund der niedrigen Grundspannung der Muskulatur allerdings wie der Gang eines Betrunkenen wirkt. Die dritte Form ist die Athetose, welche den Spastiken ähnelt. Bei Bewegungen kommt es hier zu schneller Anspannung von Körperteilen, die sich dann blitzschnell bewegen und einen, wenn man nicht aufpasst, auch mal treffen können. Hinzu kommt eine erschwerte Kopfkontrolle und eine geringe Muskelspannung, wodurch Laufen erst mit den Jahren möglich ist. Geistig sind die meisten ziemlich fit. Die auftretenden Sprachstörungen (Die der Großteil meiner Schuler mit Zerebralparese hat) erschwert die Teilnahme am sozialem Leben. Allerdings merke ich, dass die meisten meiner Schüler mit Zelebralparese sehr fröhlich sind und mitlachen, wenn wir Lehrpersonen lachen.

In unsere Schule wird Physiotherapie (Sindex44chwimmtherapie, Reittherapie) und Logopädie zur Behandlung angeboten. Einer unserer Schüler kann mittlerweile selbstständig gehen und lernt in den nächsten Jahren springen und rennen. Momentan ist er aber noch auf dem Stand einer 12 Monate alten Babys. Auch geistig ist er unterentwickelt, ungefähr auf dem Stand eines sechsjährigen. Sein Kopf ist zu klein und wird im Gegensatz zu dem Rest seines Körpers nicht mehr wachsen. Hinzu kommt, dass er eine leichte Anwandlung von Autismus aufweist. Ihr seht also, dass auch Kombinationen der Behinderungen aufkommen.

Natürlich gibt es noch viel mehr Behinderungen, aber das waren jetzt erst einmal die drei großen Bereiche, für die wir Klassenräume haben. Ich hoffe der Eintrag hat euch gefallen und falls ihr Anmerkungen habt oder Tipps, dann schreibt sie mir in die Kommentare.

 

2 Kommentare zu „Verschiedene Formen geistiger-und körperlicher Behinderungen“

  1. Anmerkung zum Down Syndrom aus sprachtherapeutischer Perspektive: Die Zunge ist sichtbar, weil sie a) in einigen Fällen zu groß ist (Makrozunge; Entwicklungsverzögerung, da sich die Zunge eigl. im Kleinkindalter reguliert.) und weil b) eine Störung der orofazialen Muskulatur vorliegt (schmaler und hoher Gaumen, fehlender Mundschluss). Man arbeitet deshalb viel mit Übungen zur Stärkung der Mundmuskulatur oder auch verschiedenen Stimulationstechniken. Zudem ist der produktive Spracherwerb verzögert bzw. das Kind beginnt oftmals erst mit 10-36 Monaten überhaupt zu sprechen. Oft sind die pragmatischen (sozial-kommunikativen—> Sprachhandeln) Fähigkeiten besser ausgeprägt als der aktive Wortschatz und die Grammatik.

    Der ’normale‘ IQ liegt im Durchschnitt generell bei 100; die Standardabweichung liegt im Bereich von 85-115. Ab einem IQ von 70 wird eine Intelligenzminderung bzw geistie Behinderung angenommen und bei einem IQ >130 gilt man als hochbegabt. Bei Menschen mit Autismus, die in einem bestimmten Bereich außerordentliche Fähigkeiten spricht man auch von ’savants‘; angelehnt an die Symptomatik des Savants_Syndrom.

    Ataxie ist eine Degenerationserkrankung des Kleinhirns und kann z.B. durch Alkoholismus erworben werden (gilt eigl. nicht als angeboren, aber es gibt da mit Sicherheit sehr vielen Variationen bzw. Teilsymtomatiken..). Beeinträchtigt ist v.a. die Gleichgewichtsregulation und die Koordination von Bewegungen. Es kommt dadurch auch zu Dysphagien (Schluckstörung), Dysarthrien (Artikulationsstörung; Schädigung des Zentralen und Peripheren Nervensystems; Steuerung und Ausführung von Sprechbewegungen ist beeinträchtigt), Muskelzittern (Tremor) und die Betroffenen neigen dazu, zu fallen.

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