Schulwoche/Otavalo/ Cuicocha

So langsam fange ich an ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie man sich die Aufmerksamkeit der Schüler sichern kann. Alle meine Klassen haben sehr viel Energie, die sie irgendwie im Unterricht loswerden müssen. Mit meiner sechsten versuche ich deshalb, sie nach Farbe ihrer Kleidung aufstehen zu lassen und mir bestimmte Gegenstände in der Klasse zu zeigen oder sie andere Aktivitäten ausführen zu lassen. Allerdings habe ich bei einigen Schülern noch immer das Problem mir ihre Namen zu merken. Und das trotz der Namensspiele. Zuerst habe ich es mit einer Sitzordnung versucht, aber die Klassenlehrer setzen die Schüler oft um, also behalte ich ihre Sitzplatzwechel bei. Meine siebte Klasse liebt Musik, Singen und Malen, also versuche ich dies so oft wie möglich in den Unterricht einzubringen. Wenn es allerdings darum geht etwas vor der Klasse vorzuführen sind sie sehr schüchtern, auch wenn sie sonst recht laute Characktere sind. Bei der Pertnerarbeit tritt oft das Problem auf, dass viele nicht mit den anderen zusammenarbeiten wollen.

Als am Freitag die Bibliothek besetzt war, mussten Ari und ich mit unseren Klassen in den Computerraum ausweichen. Auch da wurde deutlich, dass die älteren ungern mit den Jüngeren einen Computer teilen. Ich habe meine Mädels allerdings schon sehr lieb gewonnen und werde auch immer mit einer Umarmung begrüßt. Allerdings mache ich mir Sorgen um eine meine Schülerinen, da sie jeden Tag Nasenbluten hat, aber meine Chefin meint, ich solle mir darüber nicht so viele Gedanken machen, da es im Alter von acht Jahren recht normal wäre. Allerdings verhält die Schülerin sich auch seltsam (Sie will ihr Shampoo trinken und einmal hat sie es auch gemacht und dann fröhlich Seitenblasen geformt), ist sehr abwesend und nicht sehr konzentriert. Allerdings ist mir das Shampoo trinken auch bei anderen Schülern aufgefallen. Was uns den Tag aber etwas erheitert hat, war eine Schülerin, welche in ihrem Stuhl stecken geblieben ist. Ari und ich konnten unser Lachen nicht mehr zurückhalten, auch wenn das nicht sehr nett war. Aber nachdem wir sie aus dem Stuhl befreit hatten, konnte sie auch selbst über sich lachen.

Samstag morgen bin ich dann mit Freunden zusammen nach Otavalo aufgebrochen. Dort haben wir uns den großen Otavalo Mark angeschaut und sind dann mit einem Pick-Up zum Cuicocha gefahren. Dies ist eine Lagune, welche wirklich schön ist. Allerdings ist das Schwimmen dort verboten, da schon viele in diesem See gestorben sind. Dies liegt an den ganzen Algen, in denen man sich verfangen kann. Von anderen haben wir dann aber erfahren, dass es an manchen Stellen doch möglich ist und sogar einmal im Jahr ein Schwimmwettkampf in dieser Lagune stattfindet. Da wir sehr spät dran waren, hätten wir es nicht geschafft vor Einbruch der Dunkelheit (6/7 Uhr) wieder zurückzulaufen, also sind wir früher wieder umgekehrt. Für den ganzen Weg würde man ungefähr 5 Stunden benötigen, was natürlich stark vom Lauftempo abhängt. Abends haben wir uns ein gemütliches Restaurant gesucht und ein vegetarisches Essen genossen. Es ist also vielleicht schwierig als Vegetarierin in Ecuador, aber nicht unmöglich. Allerdings neige ich persönlich dazu hier mehr Fleisch zu essen, weil es hier in meinem Projekt Hauptbestanteil vieler Mahlzeiten ist.

Am nächstem Morgen sind wir nach einem leckerem Frühstück im Hostel (Hostel Otavalo Inn) ein wenig durch die Stadt gelaufen und ich habe ein Messer mit einer sehr schönen Lederhülle gekauft. Ich habe sie mit Hilfe einer Freundin zumindest auf den halben Preis runterhandeln können, aber ich denke, dass man als Ausländerin immer mehr zahlt, als die indigenen Leute. Dann haben wir uns auf den Weg zu den Wasserfällen gemacht. Ich bin ein wenig durch den Fluss gelaufen und habe eine Höhle erkundet. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass sich am Ende ein weiterer Wasserfall befindet und war total begeistert von diesem Anblick. Das Wasser wurde ein wenig tiefer und es war wie eine kleine Grotte und ein wenig magisch. Als ich später zu meinen Freundien zurückkehrte machten wir uns auf den Weg zu einer Hängebrücke, die ebenfalls einen super Ausblick geboten hat. Man kann diese Schönheit des Landes gar nicht in Bildern wiedergeben. Auch haben wir auf dem Weg eine Gruppe junger Erwachsener aus Kolumbien getroffen und sie haben ein wenig getrommelt und uns zu sich nach Hause eingeladen. Allerdings wurde es langsam Zeit für den Rückweg, also mussten wir ablehnen.

Die Leute in Otavalo wirkten sehr viel entspannter als die Menschen in Quito, da sie viel ruhiger liefen und auch viel mehr lächelten. Aber man trifft überall auf freundliche und weniger freundliche Menschen. Allerdings fand ich es ein wenig überraschend, dass wir als Deutsche oder eher Weiße nichts zahlen mussten in Clubs und einfach durchgewunken wurden. Entweder es ist Gastfreundschaft oder es hat wirklich etwas davon, dass Europäerinen besser sind oder man sich dachte, dass wir eh genug Geld für Getränke ausgeben würden. Aber das sind alles nur Vermutungen.

Auf dem Rückweg traf ich auf meine WG, sodass ich mit ihnen zusammen zurück fahren konnte. Eine halbe Stunde vor unserer Ankunft hatte der Bus allerdings eine Panne und wir liefen eine Viertelstunde zur nächsten Busstation und nahmen dort einen anderen Bus. Kurz darauf waren wir alle wieder wohlbehalten Zuhause.