Segunda sermana en la escuela

Nun bin ich seit fünf Wochen in Ecuador, doch es ist ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Aber ich schätze, dass das normal ist und man mehr Zeit braucht, um sich wirklich einzugewöhnen und einzuleben. Deswegen ist auch die Frage, ob ich nach zwei Wochen schon sagen kann, ob es das richtige Projekt für mich ist. Ich habe die Einstellung, dass man zumindest erst einmal versuchen muss, wie es mit der Zeit ist und ob es Veränderungen gibt. Das Projekt ist jetzt auch nicht schlimm, aber ich merke immer mehr, dass es nicht das ist, was ich machen  wollte und dass ich mich überfordert fühle. Die Arbeitszeiten sind an sich in Ordnung, da ich von 8-17/18 Uhr arbeite, aber dazu kommt dann die Vorbereitungszeit für den Unterricht, sodass man keine wirkliche Zeit mehr hat eine Freizeitaktivität zu machen. Natürlich sind da die Wochenenden, an denen man etwas unternehmen kann, aber, wie eine andere Freiwillige gut ausgedrückt hat, ist man an den Wochenenden recht müde und dass sie nicht für die Wochenenden leben möchte. Sie hat das Projekt auch schon verlassen, wobei ich dies nach kurzer Zeit etwas früh fand, allerdings geht es ihr jetzt sehr viel besser. Ich möchte auf jeden Fall etwas Regelmäßiges machen, um auch mit ecuadorianischen Jugendlichen in Kontakt zu kommen, die einen nicht nur mögen, da man Europäerin ist und einem auch noch mehr von Ecuador zeigen können. Denn in einem Auslandsjahr möchte man schon die indigene Bevölkerung besser kennen lernen.

Die Wohnsituation ist hier sehr gut, man kann wirklich sagen, dass wir im Luxus leben, aber ich habe nicht das Gefühl wirklich in die ecuadorianische Kultur eintauchen zu können, da wir hier zum Großteil mit Amerikanern zusammenleben. Diese sind auch alle wirklich nett, aber es ist nicht die Kultur, die man primär kennenlernen wollte. Hier ist es natürlich ein großer Vorteil, dass man gleich zwei Sprachen verbessern kann. Um allerdings Spanisch möglichst schnell zu lernen, würde ich es am liebsten den ganzen Tag sprechen und auch Menschen um mich haben, die es bereits korrekt beherrschen. Doch uns wurde gesagt, dass wir die anderen nicht zwingen können Spanisch zu reden, da abends Zeit zum entspannen ist und dies zu anstrengend wäre. Doch wenn wir das erneut ansprechen, würden vielleicht mehr dabei mitmachen. Abgesehen von der Sprache wollte ich auch mal was anderes sehen als das, was ich schon seit Jahren kenne und hier habe ich sogar ein größeres Zimmer als Zuhause. Einige werden sagen, dass man doch einfach froh darüber sein soll, aber ich zumindest möchte hier ein „zweites Zuhause“ und eine „Zweite Familie“ finden, die ich später gerne wiedersehen möchte. Und ich möchte lernen auf etwas verzichten zu können und zu sehen, dass man eben auch mit wenig glücklich sein kann. Andererseits steht es im Konflikt damit, dass ich lernen möchte, geduldig zu sein und ein Projektwechsel wäre das Gegenteil davon.  Aber wie gesagt, mir erscheint es, als würde es sehr schwierig werden eine andere Mentalität kennen zu lernen. Andere Freiwillige dieses Projektes haben gesagt, dass bei ihnen der Kulturaustausch über die Familien der Schüler stattgefunden hat und sie diese auch besucht hat. Aber momentan sehe ich das Projekt als Arbeit und Arbeit und Freizeit möchte ich ungern vermischen. Allerdings muss ich ihr zustimmen, dass es eine gute Chance ist, die Schüler und ihre Hintergründe besser kennenzulernen. Und allein als ich die Mutter einer Schülerin und ihren Umgang mit ihrer Tochter gesehen habe, fiel es mir leichter zu verstehen, warum diese Schülerin so laut ist und nach Aufmerksamkeit ringt. Aber erneut, ich möchte wissen, wie es ist in einer anderen Familie zu leben. Dabei ist mir bewusst, dass ich wahrscheinlich sehr viele Freiheiten aufgeben muss. Hier kann ich ausgehen, wann und wie lange ich möchte, Freunde dürfen zu Besuch kommen und auch übernachten (Solang es das gleiche Geschlecht ist) und man ist so gut wie nie allein unterwegs und somit sehr sicher. Auch fühlen andere sich teilweise in ihrer Wohnsituation einsam und das kann ich von dem Wohnheim nicht behaupten. Was die Selbstständigkeit angeht, bin ich zwiegespalten. Einerseits müssen wir viel Verantwortung für die Schüler übernehmen, Tests und Klassenarbeiten erstellen und Noten geben, andererseits haben wir hier echt Service, da jeden Abend für uns gekocht wird und wir unsere Wäsche zum waschen abgeben können. Was wir alleine machen müssen ist unser Zimmer zu putzen, aber das ist auch vollkommen verständlich.

In meinem CMT Vertrag steht, dass wir hier nicht sind, um uns selbst besser kennenzulernen und daraufhin habe ich innerlich sofort protestiert, denn herauszufinden wer ich bin und was ich will ist eine der Hauptmotivationen meines FSJs. Eine andere Motivation ist es jedoch seine Grenzen kennenzulernen und sich neunen Herausforderungen zu stellen. Allerdings muss auch jeder selbst wissen, wo seine Grenze erreicht ist. Natürlich kann man sich an alles gewöhnen, aber auf der anderen Seite bin ich hier, um mir meinen Traum zu verwirklichen. Das hier soll mein Jahr werden, an das ich mich immer wieder gerne zurückerinnere. Und ich möchte auch ausprobieren können, was ich später arbeiten möchte und mich nicht darin bestätigen lassen, was ich nicht möchte. Hier ist mein Ziel, zu lernen, was ich möchte und es auch zu kommunizieren. Man sollte Probleme ansprechen, bevor sie größer werden und ich denke manchmal ist es in Ordnung, zuerst an sich zu denken und das zu tun, was einem selbst gut tut. Damit meine ich nicht, dass man Gefühle verletzen soll oder einem alles andere egal sein soll, aber ich denke, dass es in nachvollziehbar ist, dass man Berufswünsche entdecken und sich über seine Zukunft klar werden möchte. Ich denke dieses FSJ wird mir helfen, in meinem späterem Leben Probleme und Konflikte zu lösen. Ein eheer kleinerer, dennoch nicht unwichtiger Punkt ist, dass wir hier auch nicht das typische Essen essen, sondern eher amerikanisches oder auch europäisches Essen. Das Essen ist lecker und gut, aber eben auch nicht ecuadorianisch.

First step to live life your own way…make yourself.

Aber nichts ist unveränderbar und Probleme und Schwierigkeiten können einen auch weiterbringen und man kann daran wachsen.

Ama la vida!

Mein erster Schultag/ Meine erste Schulwoche

Der Ernst des Lebens begann am 5.09.2016. Wobei, streng genommen begann er auch schon bei meiner Einschulung vor 12 Jahren in die Grundschule, an meinem erstem Tag an der weiterführenden Schule und auf der Abiturfeier wurde erneut betont, dass jetzt erst das richtige, ernste Leben beginnt. Hier im Projekt wurde uns auch nochmal gesagt, dass wir wahrscheinlich nie mehr in unserem Leben so hart arbeiten werden wie hier. Eine ehemalige Freiwillige sagte aber, dass ein zwölf Stunden Tag zwar hart, aber zu meistern wäre. Ich zumindest bin nach der ersten Woche ziemlich erschöpft.

Am erstem Tag haben wir uns alle in der Mensa getroffen und der Rede des Schulleiters gelauscht. Die Klassenlehrer und wir wurden vorgestellt und anschließend machten wir uns auf die Suche nach den Klassenräumen der Klassen, die wir unterrichten würden. In meinem Fall sind es die Klassen sechs, sieben und neun, welche mich als Englischlehrerin haben werden. Eine große Herausforderung, da mein Spanisch noch nicht so gut ist, um Sachen mit umfangreichem Vokabular zu erklären, geschweige denn vernünftig zu kommunizieren, warum mich Schreien, Herumgerenne und Schlagen im Unterricht nervt. Zudem sagen die Kinder, dass sie sich nur spielerisch hauen. Am erstem Tag waren noch nicht alle Schüler da, also unterrichteten Julia (Eine meiner Mitbewohnerinen) und ich zusammen.Mittlerweile haben wir jeweils unsere eigenen Klassen mit jeweils ca. 25 Schülern. Eine entspannte Lernatmosphäre zu schaffen war und ist besonders in der neunten Klasse nicht einfach. Es gibt viele Lacher, wenn ich manche Fragen nicht verstehe, wobei die Schüler nach meinem Empfinden auch sehr Nuscheln und leise sprechen. Das ist aber eine Sache, die mir generell an den Ecuadorianern, welche ich bis jetzt kenne, aufgefallen ist. Sie sprechen sehr leise.

Ich fing an mit den Basics wie „My name is…“ „What is your name?“, was auch ganz gut funktionierte. Als ich jedoch mit den Tieren anfing, gab es erneut einige Lacher. Conejo bedeutet nämlich nicht nur Kaninchen, sondern auch Vagina, zumindest erklärte eine Studentin der spanischen Literatur mir das.

Auch ist es wichtig, dass man flexibel ist. Wenn die Kinder zu unruhig für Gruppenarbeit sind, dann muss man für den Tag etwas anderes mit den Kindern machen.20160909_094200.jpg

Am Donnerstag und Freitag sind wir durch die Klassen gegangen und Carmita (-ta oder -dito wird oft an Namen gehängt, um sie süßer klingen zu lassen) hat uns gezeigt, wie man die AUfmerksamkeit der Kinder auf sich lenkt. Bei den Kleinen geht dies gut mit Musik. Ein Lied was sie oft singt ist:

Buenos días amiguitos ¿cómo están?
Muy bien…
Es este un saludo de amistad

¡Que bien¡…
Haremos lo posible por hacernos más amigos
Buenos días amiguitos ¿cómo están?
Muy bien…

Oder aber auch:

La lechuza (Eule), la lechuza, hace shhh, hace shhh.
Todos calladitos, como la lechuza, hacen shhh, hacen shhh.
La lechuza, la lechuza, hace shhh, hace shhh.
Todos calladitos, como la lechuza, hacen shhh, hacen shh …

Bei meiner neunten Klasse habe ich aber festgestellt, dass es hilft, wenn ich gar nicht erst anfange zu diskutieren, sondern die Schüler direkt mit Fragen löchere. Einmal hatte ich die Aufgabe für sie, ein Lied zu hören und die Tiere zu malen, die darin vorkamen, aber dies hat nicht gut funktioniert.

Mittags fahre ich rüber zum anderem Center und habe dort die Fächer Kunst, wo ich einem Lehrer helfe und Programa de Chicas, was ich alleine leite und welches Waschzeit, Basteln und Computer für die Mädchen bedeutet, sowie eine gemischte Gruppe, mit denen ich in die Bibbliothek gehe. Hier ist auffällig, dass der Umgang mit den Jungs deutlich schwieriger ist, da sie lauter sind und schlechter hören. Ich war zusammen mit Ariana in der Bibliothek, jede mit ihrer Gruppe und unsere Jungs sind auf die Bücherregale geklettert, haben Bücher rumgeschmissen. Wir haben versucht sie alle an einen Tisch zu setzen, aber sie haben nur gegrinst und weiter gemacht.

Hat jemand einen Tipp, wie man von diesen Jungs Respekt bekommen kann?

Auch ist auffällig, dass die Kinder total computersüchtig sind. Sobald sie in ihrer Computerstunde davor sitzen, kriegt man sie nicht mehr davon weg und auch wenn gerade anderer Unterricht dran ist, renne sie dauernd dahin und schalten die Computer an. Wir haben sie dann ausgestöpselt.

Mit meinen Mädels (4.Klasse) mache ich momentan Perlenarmbänder, welche sie dann um die Weihnachtszeit verkaufen sollen. Alle Sachen, die im Programa de Chicas hergestellt werden, sind dafür gedacht, später von den Kindern verkauft zu werden. Allerdings gibt es dazu jetzt einen Laden, sodass die Kinder nicht mehr wie früher auf der Straße verkaufen müssen. Als dann Baños (Badezimmer) auf dem Programm stand, habe ich vor den Waschräumen auf die Mädchen gewartet. Eine offensichtlich sehr angetrunkene Frau ging hinein. Wenig später ging ich auch herein, um den Kindern Bescheid zu sagen, dass ihre Waschzeit bald vorbei ist. Hier fand ich eins der Mädchen völlig aufgelöst vor. ICh fragte sie, was passiert sei, doch sie schluchzte nur weiter und wir verließen erst einmal das Badezimmer. In der Bibliothek sagte sie mir dann, dass ihre Mama (die betrunkene Frau) sie geschlagen hätte. Ich fragte, ob sie mit der Direktorin sprechen wollte, weil ich nicht genau wusste, was ich tun sollte, doch sie verneinte. Ein Eispack wollte sie jedoch haben, also fragte ich im Büro nach. Die Frau wollte wissen, was passiert war, also erzählte ich es ihr. Als wir zu dem Mädchen gingen, hatte es aufgehört zu weinen und sagte, es wäre nichts passiert. Daraufhin durfte ich mir anhören, dass ich doch mal „ruhig bleiben sollte“ (tranquilo) und nicht so nen Wind machen sollte. Mich machte das innerlich ziemlich wütend.

Nun ist Wochenende und wir alle haben erst einmal auf die erste überstandene Woche angestoßen. Nun muss ich aber den Unterricht für die nächste Woche planen und unter der Woche habe ich auch nicht wirklich Freizeit. Um sieben stehen wir auf und gegen sechs, sieben Uhr abends sind wir wieder Zuhause, essen etwas und planen anschließend den Unterricht für den nächsten Tag. Die letzten Tage hatte ich jeden Tag Kopfschmerzen und leichten Schüttelfrost. Ich hoffe, dass es mit der Zeit besser wird.